Urbane Datenplattformen: Warum Kommunen auf Open Source und offene Standards setzen
Daten in städtischer Hand, nachnutzbar für andere Kommunen: Was CIVITAS/CORE, das Masterportal und das Urban Data Add-on für Städte möglich machen.
Eine Stadt erzeugt Daten an vielen Stellen. Sensoren messen Pegelstände und Parkplatzbelegung, Fachverfahren verwalten Grünflächen und Baugenehmigungen, das Vermessungsamt pflegt Geodaten. Oft liegen diese Daten in getrennten Systemen, jedes mit eigener Oberfläche und eigenem Lizenzvertrag.
Eine urbane Datenplattform führt sie zusammen. Die wichtigere Frage ist aber eine andere: Wer behält die Kontrolle über Daten, Code und Betrieb? Viele Kommunen beantworten sie mit Open Source und offenen Standards.
Was eine urbane Datenplattform leistet
Eine urbane Datenplattform verbindet drei Welten. Daten aus Fachverfahren und Sensorik laufen an einer Stelle zusammen. Geodaten stehen als Dienste nach den Standards des Open Geospatial Consortium bereit, etwa als WMS oder WFS. Rollen und Rechte regelt eine zentrale Identitätsverwaltung wie Keycloak.
Auf dieser Basis entstehen Anwendungen für Verwaltung und Öffentlichkeit: Fachanwendungen im Geoportal, Low-Code-Apps zum Beispiel mit Appsmith oder Dashboards mit Apache Superset. Die Daten liegen dabei einmal vor und werden mehrfach genutzt.
Daten in kommunaler Hand
Digitale Souveränität klingt abstrakt. Im Alltag einer Verwaltung ist sie konkret:
- Die Daten gehören der Kommune. Sie liegen in einer Datenbank, die die Stadt selbst betreiben oder betreiben lassen kann, etwa PostgreSQL mit PostGIS.
- Der Code ist offen. Jeder Dienstleister kann ihn lesen, prüfen und weiterentwickeln. Ein Wechsel des Dienstleisters bedeutet keinen Wechsel der Plattform.
- Es fallen keine Lizenzkosten pro Nutzer oder Anwendung an. Das Budget fließt in Entwicklung und Betrieb, nicht in Lizenzen.
CIVITAS/CORE: ein gemeinsamer Kern
CIVITAS/CORE ist eine Open-Source-Software, die den technischen Kern einer urbanen Datenplattform bildet. Getragen wird sie vom Civitas Connect e. V., den Stadtwerke 2020 gegründet haben, und einer Community aus Kommunen und kommunalen Unternehmen. Der Kern lässt sich anpassen und erweitern, bis zur Plattform für eine bestimmte Stadt oder Region.
Quellcode und Dokumentation sind öffentlich. Große Teile der Entwicklung wurden laut Dokumentation über das Programm „Modellprojekte Smart Cities“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und der KfW gefördert. Civitas Connect empfiehlt, auf die Version 2 zu wechseln. Sie bringt umfangreiche neue Möglichkeiten im Datenmanagement mit.
Im Konsortium entwickeln wir für den Civitas Connect e. V. diese V2 von CIVITAS/CORE. Wir kennen die Plattform deshalb bis in den Code. Und wir wissen, welche Fragen Kommunen bei der Einführung stellen.
Das Masterportal als Oberfläche
Viele Kommunen nutzen das Masterportal als Geoportal. Es ist ebenfalls Open Source und wird in einer Implementierungspartnerschaft öffentlicher Institutionen gemeinsam weiterentwickelt. Den Vorsitz hat der Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg, die Organisation liegt bei Dataport.
Das Masterportal ist stark darin, Karten und Geodaten darzustellen. Fachämter brauchen aber mehr: Daten erfassen, bearbeiten und nach Rollen freigeben.
Das Urban Data Add-on
Genau dafür haben wir für die Urban Data Platform der Bundesstadt Bonn das Universal Urban Data Add-on entwickelt. Es macht aus einer JSON-Konfiguration eine Fachanwendung im Masterportal:
- Tabelle und Formular – die Konfiguration legt fest, welche Felder erscheinen. Auswahllisten, Datei-Uploads und Export sind inklusive.
- Räumliche Filter – Daten per Polygon direkt in der Karte eingrenzen, kombinierbar mit vordefinierten Abfragen.
- Kartenwerkzeuge – Punkte, Linien und Flächen direkt im Masterportal zeichnen und bearbeiten.
- Rollen und Rechte – die Oberfläche zeigt nur, was die Datenbank der jeweiligen Rolle erlaubt.
Mit KI entsteht die Konfiguration aus einer Use-Case-Beschreibung. Das Team der Stadt baut weitere Fachanwendungen selbst, ohne für jede ein eigenes Projekt aufzusetzen. Mehr dazu auf der Seite zum Urban Data Add-on.
Public Code: einmal finanziert, mehrfach genutzt
Die Kampagne „Public Money, Public Code“ fordert, dass mit öffentlichen Geldern entwickelte Software unter einer Freie-Software- und Open-Source-Lizenz veröffentlicht wird. Der Standard for Public Code der Foundation for Public Code beschreibt, wie öffentliche Organisationen solche Software gemeinsam entwickeln und nachnutzen.
Was eine Kommune mit öffentlichem Geld entwickeln lässt, sollte die nächste nicht noch einmal bezahlen.
Wir arbeiten nach diesem Prinzip. Was wir im Auftrag entwickeln, geben wir als Open Source zurück. Andere Kommunen nutzen es nach, ohne Lizenzkosten. Eine Fachanwendung, die in einer Stadt entsteht, wird so zum Startpunkt für die nächste.
Offene Standards statt Insellösungen
Open Source allein reicht nicht. Erst offene Standards machen Komponenten austauschbar. Geodienste nach OGC-Standards lassen sich in gängige GIS-Anwendungen einbinden. Keycloak spricht OpenID Connect und lässt sich an bestehende Verzeichnisdienste der Verwaltung anbinden. Daten in PostgreSQL mit PostGIS bleiben mit Standardwerkzeugen lesbar.
So kann eine Kommune einzelne Bausteine ersetzen, ohne die Plattform neu aufzubauen. Und sie kann bestehende Anwendungen aus einer gewachsenen Geodateninfrastruktur Schritt für Schritt übertragen, parallel zum laufenden Betrieb.
Der Weg zur eigenen Plattform
Wir richten uns nach Ihrer Ausgangslage, ob erste Fachanwendung, Ablösung eines Altsystems oder ganze Plattform. Jede Stufe ist für sich nutzbar und trägt die nächste:
- Erstberatung – wir klären Ausgangslage, Datenbestand und Vergabeweg und sagen offen, ob wir passen.
- Konzept – Architektur, Datenmodell und Rollen, abgestimmt mit IT, Fachämtern und Datenschutz.
- Umsetzung – Plattform, Fachanwendungen und Migration in Sprints mit lauffähigen Zwischenständen.
- Betrieb – wir betreiben die Plattform auf Kubernetes mit GitOps, Monitoring, Backups und Updates. Oder wir befähigen Ihr Team, Betrieb und Weiterentwicklung selbst zu übernehmen.
Mehr zu unserem Angebot für Kommunen lesen Sie auf der Seite Smart City. Wenn Sie wissen möchten, wo ein Einstieg für Ihre Kommune sinnvoll ist, sprechen Sie uns an.